Die Kirche

Die Dorfkirche zu Steinbach bei Moritzburg

Die Dorfkirche zu Steinbach, einem Moritzburger Ortsteil, ist eine der ältesten noch bestehenden Dorfkirchen in Ostsachsen. Erbaut zu Anfang des 13. Jahrhunderts als kleine Wegekapelle in direkter Nähe zu den Handelswegen zwischen Meißen und Kamenz und auch zwischen Dresden und Großenhain, liegt sie am nördlichen Rand der Ortslage Steinbach. Sie diente Handlungsreisenden, möglicherweise auch Pilgern vom nahegelegenen Jakobsweg als Ort der Einkehr und Besinnung, wobei neben der Rast zu Fürbitten vermutlich auch Waren hinterlegt wurden. In der Folgezeit entwickelte sie sich zu einer bekannten Wallfahrtskapelle, welche der heiligen Margaretha geweiht war.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden der Kirche weitere Umbauten und Erweiterungen zuteil: Neben dem Einbau von Emporen und der Vergrößerung der Fenster erfolgten Anbauten im Norden und Westen sowie der Aufbau eines Dachreiters, in welchem das aus drei Glocken bestehende Geläut untergebracht wurde. Sie fielen im Ersten Weltkrieg der Waffenproduktion zum Opfer, wurden jedoch 1924 ersetzt, um nur 17 Jahre später erneut für Kriegsgerät eingeschmolzen zu werden. Unter großem Aufwand konnte erst 1949 das noch heute verwendete Ersatzgeläut beschafft werden.

Der schlichte, schön geschnitzte spätgotische Flügelaltar, welcher aus der Zeit um 1450 stammt, war bis 1915 barock übermalt und in ein Retabel (Altaraufsatz) eingebaut. Durch Ablaugen wurden die ursprünglichen Darstellungen wieder sichtbar gemacht. Der Altar zeigt im Schrein eine Kreuzigungsszene. Links und rechts daneben sind die Heiligen Maria Magdalena mit der Salbendose und Margaretha mit dem Drachen dargestellt; ferner, auf den Flügeln, die Heiligen Anna Selbdritt und Ottilia. Vier Frauengestalten, um die sich jeweils Mythen und Legenden ranken, welche mit dem Bekenntnis dieser Personen zum Christentum verbunden sind. Diese Figuren im Schrein wirken ursprünglicher und rustikaler als die eleganten malerischen Darstellungen auf den Altarflügeln. Da die Kreuzigungsgestalt wesentlich kleiner als die anderen ausfällt, steht zu vermuten, dass sie wahrscheinlich erst nach der Reformation an dieser Stelle implementiert worden ist. In den Jahren 1994 bis 1998 konnte eine grundlegende Restaurierung des Altars erfolgen.

Die Orgel von 1863 stammt aus der Werkstatt des Werdauer Orgelbauers Gotthilf Bärmig (1815-1899). Auch sie konnte nach massivem Verfall 2015 wieder vollständig restauriert werden. Der Kirchenraum verfügt über eine ausgezeichnete Akustik, was wahrscheinlich durch die Holzkassettendecke bewirkt wird.

Bei Instandsetzungsarbeiten wurde 1935 unter einer Schalung aus Pressspanplatten eine lebhafte Deckenbemalung vorgefunden. Jedoch ließen die damaligen Umstände keine weiteren Nachforschungen oder Freilegungen der Kirchendecke zu. Erst in den Jahren 200I bis 2003 konnte die naive Bemalung aus dem 17. Jahrhundert sichtbar gemacht und nach denkmalpflegerischen Richtlinien restauriert werden. Die Kassettendecke ist die eigentliche Besonderheit der Steinbacher Dorfkirche. Ihre Felder sind mit phantasievollen Blumenmustern oder Engelsköpfen gestaltet, die offenbar das Paradies symbolisieren sollen.

Nach jahrzehntelangem Verfall in sozialistischen Zeiten konnte dank diverser Spendenaktionen und unter dem Engagement eines diesbezüglich gegründeten Fördervereins die kleine Kirche Stück für Stück saniert und ihrer ursprünglichen Gestaltung wieder nahegebracht werden. Mit ihrer schönen Bemalung, ihrer heiteren Atmosphäre und ihrem wunderbaren Raumklang ist sie auch für musikalische Darbietungen im kleineren Kreis sehr gut geeignet.

Winfried Tegge
Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Steinbach e.V.